Die Entstehung der Pfadfinderidee

Mit dem Beginn der Pfadfinderbewegung Begann für BP eine Art "zweites Leben". Er gründete und führte fortan die Pfadfinderbewegung.

 

Aids to Scouting

Bereits 1899 schrieb BP "Aids to Scouting", veröffentlicht wurde es dann 1900. Gedacht war es eigentlich als militärische Schrift für das Selbststudium des "Scouting" junger Soldaten. Es wurde jedoch von vielen Jugendlichen als Grundlage für Spiele verwendet. Immer mehr Jugendliche lasen das Buch, viele Anfragen wurden an ihn herangetragen. Zudem bekam er von renommierter Seite, dem "Miss Mason´s House of Education" (die das Buch benutzten), die Bestätigung der pädagogischen Seite von "Scouting". Da Baden-Powell selbst nicht sehr glücklich darüber war, dass die Jugend ein Militärbuch "verschlingt" entschloss er sich das Buch auch für die Jugend umzuschreiben.

 

Brownsea-Island

Durch die Begeisterung der englischen Jugend für "Aids to Scouting" sowie nach Gesprächen mit anderen Jugendarbeit-Begeisterten entschloss sich Baden-Powell ein ersten Probelager durchzuführen, noch während er an "Scouting for Boys" arbeitete. So kamen 1907 zweiundzwanzig "Boy-Scouts" aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten nach Brownsea-Island. Das Inselabenteuer begann. Zunächst wurden die Jungen in vier Patroullien eingeteilt. Diese Patroullien wählten sich einen Gruppenführer und gaben sich Namen (Ravens, Wolves, Bulls, Curlews). Das Versuchslager erwies sich als voller Erfolg und machte den Wert der Patroullienarbeit deutlich. Vieles, was Baden Powell bereits damals mit den Jungen machte, findet sich noch heute auf Fahrten und Lagern wieder. (Lagerfeuer, Zeltlager, Geländespiele, Pfadfindertechnik, Nachtwache,....)

 

Scouting for Boys

"Scouting for Boys" erschien Anfang 1908 zunächst in sechs Teilen, die in vierzehntägigem Abstand als Beilage unter dem Namen "The Scout" zu einer Zeitung erschien. Doch bereits im Mai 1908 wurde es erstmals als Buch veröffentlicht. Wie bereits "Aids to Scouting" fand auch "Scouting for Boys reißenden Absatz. Im Laufe der Zeit wurde es in alle Kultursprachen der Welt übersetzt und wird als das meistverbreitetste pädagogische Buch des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet. Der Erfolg lag sicher darin, dass es kein Buch für Theoretiker, sondern für Praktiker war und sich direkt an die Jugendlichen wandte. Er beschrieb darin seine Erlebnisse und vermittelte fast spielerisch Wissen aus den verschiedensten Gebieten wie Naturkunde, Feuer, Erste Hilfe u.v.m.

 

Die eigene Jugendorganisation

Die Begeisterung der englischen Jugend war so groß, das die Gründung einer eigenen Organisation nur die logische Folge war. Noch 1908 wurde in London die Zentrale eingerichtet und schon Ende des Jahres waren über 60.000 Pfadfinder Mitglied der ersten Jugendorganisation dieser Art. Schon 1909 organisierte Baden-Powell ein Treffen der Boy Scouts, das am 4. September im "Chrystal Palace" in London mit ca. 10.000 Boy Scouts, in der von BP entworfenen Pfadfinderuniform, stattfand. Doch auch Mädchen waren anwesend und machten mit ihrer eigenen Phantasiekluft unter dem Namen "Girl Scouts" auf sich aufmerksam. Bisher hatte BP nicht daran gedacht, das auch Mädchen gefallen dieser Art Beschäftigung haben. Die Entwicklung verlief weiterhin rasant und schon bald dachte Baden-Powell über altersspezifische Aktivitätsprogramme nach und fasste eine eigene Mädchenorganisation ins Auge.

 

BP´s frühe Ziele und Gedanken zur Pfadfinderbewegung

Natürlich machte sich BP viel Gedanken über die entstehende Jugendbewegung, dei eine große internationale Bruderschaft werden sollte. Sie sollte freiwillig sein, politisch bilden aber nicht politisch wirken, international und offen für alle sein. Herkunft, Hautfarbe oder Glaubenszugehörigkeit sollten egal sein. Er wollte, dass die Pfadfinderbewegung neben Schule und Elternhaus zur Erziehung beiträgt.
Dabei hatte er schon früh im Sinn möglichst viele verschiedene Aspekte in das Pfadfindertum einzubringen. Von "körperlicher Ertüchtigung", geistigen Fähigkeiten zu den Fähigkeiten um ein guter Staatsbürger zu werden wollte er vieles spielerisch mit einbinden. Dabei ging er nach drei Grundsätzen. Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen, gegenüber Gott und gegenüber sich selbst.
Aus dem dritten Punkt, der Verpflichtung gegenüber sich selbst heraus, stammt dann auch sein "Erziehungmodell" der fortschreitenden Selbsterziehung.:

  • Das Pfadfinderversprechen und die Pfadfinderregeln (früher Pfadfindergesetze)
  • "learning by doing" charakterisiert das Prinzip des spielerischen selbst-lernens. Der Pfadfinder soll durch seine eigenen Erfahrungen lernen.
  • Das Kleingruppenprinzip soll dem Pfadfinder dier Möglichkeit geben in einer Gruppe Fähigkeiten zu erleren, seinen Platz zu finden, Verantwortung zu übernehmen....
    Kurz gesagt: Die Kleingruppe soll die Möglichkeit zur Charakterbildung über die Grenzen des Elternhauses und der Schule hinaus ermöglichen.
  • Die Aktivitäten der Pfadfinder sollten möglichst abwechslungsreich und naturverbunden sein. Dabei sollen sie an den Pfadfinder immer wieder neue Herausforderungen Stellen, an denen wir wachsen können.

Diese Ziele konnte er, wie heute bekannt, alle Eindrucksvoll erreichen.

 

Kluft, Gesetz, Versprechen, Wahlspruch, Gruss und Gesetz

  • Mit der Kluft wollte er die Herkunft der Jungen und Mädchen verschleiern. Der Blick sollte auf den Menschen gerichtet werden, nicht auf seinen Geldbeutel (In der damaligen Zeit war das gesellschaftliche Leben geprägt von Klassenunterschieden)
    Die Kluft sollte zweckmäßig sein, den Pfadfinder als solchen zeigen und für alle Aktivitäten des Pfadfinders geeignet sein.
  • Um das Gemeinschaftsgefühl weiter zu stärken musste ein Symbol her. Die Lilie, die ihm schon oft als Kompassnadel den richtigen Weg wies und ohnehin als Zeichen der "Reinheit" galt, war bestens als Zeichen der Pfadfinder geeignet.
  • Als er die erste Lilie zeichnete, schrieb er auf einem Band unterhalb der Lilie "Be Prepared". "Allzeit Bereit" sollten Pfadfinder sein. Er sollte sich darum kümmern in jeder Situation gesund und gut vorbereitet zu sein (um die Plichten gegenüber sich selbst und den anderen wahrnehmen zu können). So wurde "Allzeit Bereit" zum Wahlspruch der Pfadfinder,
  • Ein weiteres gemeinsame Symbol sollte der Gruß sein. Er ist bis heute gleich geblieben. Der Daumen über dem Kleinen Finger zeigt, dass der größere den Kleineren beschützt. Die drei Finger symbolisieren die Blätter der Lilie und die drei Teile des Versprechens.
  • Das Versprechen sollte etwas feierliches sein. Er dachte dabei auch an den Ehrenkodex der Ritter. Ritterlichkeit war schließlich eine ehrenvolle Eigenschaft. Auch die Regeln lehnt er an den Ehrenkodex der Ritter im Mittelalter an. Aber natürlich formulierte er sie für diese Zeit und seinen Zielen gemäß:
Baden - Powell
The Scout Promise
deutsche Übersetzung
Pfadfinderversprechen
On my honour I promise that I will do my best -To do my duty to God, and the Queen,To help other people at all times,To obey the Scout Law Ich verspreche bei meiner Ehre mein Bestes zu tun, meine Pflicht gegen Gott und den König zu erfüllen, jederzeit den anderen Menschen zu helfen und dem Scout Law zu gehorchen.
Baden - Powell
The Scout Law
deutsche Übersetzung
Pfadfindergesetz
  • A Scout´s honour is to be trusted.
  • A Scout is loyal to the Queen, his country, his Scouters, his parents, his employers an to those under him.
  • A Scout´s duty is to be useful and to help others.
  • A Scout is a friend to all, and a brother to every other Scout, no matter to what country, class or creed the other may belong.
  • A Scout is courteous.
  • A Scout is a friend to animals.
  • A Scout obeys orders of his parents, atrol Leader, or Scoutmaster without question.
  • A Scout smiles and whistles under all difficulties.
  • A Scout is thrifty.
  • A Scout is clean in thought, word, and deed.
  • Auf eines Pfadfinders Ehre ist Verlass.
  • Ein Pfadfinder ist treu dem König, seinem Lande, seinen Führern, seinen Eltern, seinen Meistern und Untergebenen.
  • Eines Pfadfinders Plicht ist es, sich nützlich zu erweisen und anderen zu helfen.
  • Ein Pfadfinder ist der Freund aller und jedem anderen Pfadfinder ein Bruder, gleichgültig zu welcher Gesellschaftskrise der andere gehört.
  • Ein Pfadfinder ist höflich.
  • Ein Pfadfinder ist ein Freund der Tiere.
  • Ein Pfadfinder gehorcht ohne Wiederrede seinen Eltern, seinem Patrrouillenchef oder Feldmeister.
  • Ein Pfadfinder lächelt und pfeift bei allen Schwierigkeiten.
  • Ein Pfadfinder ist sparsam.
  • Ein Pfadfinder ist sauber in Gedanken, Wort und Tat.
1908 1923
Baden -Powell; Scouting for Boys, S.xi Hans E. Gerr; Pfadfindererziehung S.34

 

Das Kleingruppenprinzip

Bereits in seiner Militärzeit probte er ein System der kleinen Gruppen zur Ausbildung. Dieses System war bereits sehr gut und musste nun noch auf eine Jugendgruppe abgestimmt werden.

  • Der Gruppenführer sollte aus der Gruppe kommen. Kein älterer Vorgesetzter, sondern ein Pfadfinder aus der Gruppe heraus. Nur ein wenig überlegen und älter vielleicht.
  • Einige Kleingruppe zusammen sollten dann von einem Erwachsenen geführt werden. Diese "Scout-Master" wurden zunächst von Baden Powell ausgebildet.
  • Eine Gruppe sollte über ihre Aktivitäten Buch führen. Ein Logbuch. Eben ein Buch, in dem steht, was gemacht wurde, was man erlernt hat, wohin die Gruppe "steuert".
  • In der Gruppe sollte jeder Verantwortung tragen und immer mehr in diese Verantwortung hineinwachsen.
  • Als Zeichen der Gruppe sollte sich die Gruppe einen Namen und ein Totemtier bestimmen.
  • Die Gruppe sollte gemeinsame Entscheidungen treffen und im gemeinsamen Leben und erleben erlernen in einer Gruppe zu agieren.

Die meisten Ideen Baden-Powells zur Pfadfinderbewegung wurden ohne Probleme umgesetzt und fanden großen Anklang unter den Jugendlichen. Noch heute finden sich die meisten Grundelemente des damaligen Pfadfindertums wieder. Sie bilden nach wie vor die Grundlage der weltweiten Pfadfinderbewegung und wurden von den Pfadfindern immer weiterentwickelt und der Zeit angepasst.

 

Literatur:

  • Hans E. Gerr. Pfadfindererziehung. Hg. Klaus Hinkel. Baunach: Deutscher Spurbuchverlag, 1996
  • Walter Hansen: Der Wolf, der nie schläft
  • Baden-Powell: Scouting for Boys
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