Protestbewehung ´68

Die Flower-Power Bewegung

Ähnlich der Jugendbewegung wollte man sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien und strebte man nach neuer Freiheit. Allerdings war die Bewegung des Flower-Powers, wie der Name schon sagt, von viel mehr Power geprägt. Man versuchte die Ziele mit mehr Nachdruck zu erreichen. Außerdem betraf der Flower-Power weitaus größere Bevölkerungsschichten. Schlagwörter aus dieser Zeit sind z.B. die Studentenbewegung, sexuelle Befreiung, politisches Engagement und außerparlamentarische Opposition. Als ab etwa 1965 die Flower-Power-Welle aus den USA nach Europa herüberschwappte, blieben die Pfadfinderbünde, insbesondere die interkonfessionellen Pfadfinderbünde, in Deutschland natürlich auch nicht verschont.

 

Der BDP in der Zeit des Flower-Powers

Nach den "kleineren" Querelen in den Vorjahren, kam es nun zu tiefgreifenden Diskussionen im BDP. So wurde offen über die Abschaffung der Kluft diskutiert, wurden Führungsstile in Frage gestellt, Pfadfinderregeln und Versprechen abgelehnt, das System der Sippe angezweifelt und eine stärkere Politisierung (linkes) der Arbeit gefordert.
Die Diskussionen wurden immer mehr sehr emotional und spannungsgeladener geführt. Diffamierungen waren an der Tagesordnung. Insgesamt führte die Art und Weise der Diskussionen zu unversöhnlichen Standpunkten.
Als dann der damalige Bundesführer Moritz von Engelhardt gemeinsam mit radikalen und linken Gruppen gegen das Attentat auf Rudi Dutschke (Führer der Studentenbewegung) in vollständiger Kluft demonstrierte und damit den Bund öffentlich politisierte sowie immer mehr Funktionsträger öffentlich politische Meinung, auch im Namen des BDP, bezogen, war für viele das Maß voll. In den folgenden zwei Jahren jagte ein Bundesthing das nächste, suchte man vergeblich nach Lösungen, ging teilweise weiter auf Konfrontationskurs aber vermochte es nicht alle versöhnlich zu vereinen. Dabei waren drei Gruppen im BDP zu unterscheiden:

  • die Gruppe der Bewahrenden
  • die Gruppe der Verändernden
  • die Gruppe der unentschlossenen Mitte

 

Die Aufsplitterung

Diese spannungsgeladene Konstellation führte schließlich zum Zusammenbruch des BDP. Die Spaltung des Bundes in eine konservative und eine progressive Gruppierung begann. Im Laufe dieser Phase rückte die Bundesführung auch immer weiter von alten pfadfinderischen Zielvorstellungen ab.
Erschreckt durch diese Vorkommnisse und das Scheitern der Misstrauensanträge gegen (Auszug) die Bundesführung kam es letztlich zur zweiten Welle der Abspaltungen:
1969 Gau Mittelrhein tritt ein in DPB Westmark (später DPBM)
1970/71 Landesmark Hamburg gründet DPB-Nord
Landesmark Nordbaden gründet DPB-Süd
Stämme aus Niedersachsen gründen Verband Deutscher Pfadfinder
Landesmark Westfalen gründet DP Landesmark Westfalen (DP-LmW)
Landesmark Westland gründet IG-Westland

Wegen der offensichtlich politischen Ausrichtung des BDP übte das 'Boy Scout World Bureau' Druck auf den RdP aus. Daraufhin trennte sich der Ring vom BDP (15.07.1970). Zurück blieben im BDP diejenigen, die weiter politische Jugendarbeit betreiben wollten. Diese Art der Jugendarbeit behielt der BDP bis heute bei.

 

Der DPB-Westmark

In dieser Zeit wurde der später langjährige Vorsitzende des Deutschen Pfadfinderverbandes als Führer der Landesmark Rheinland unter fadenscheiniger Begründung aus dem BDP ausgeschlossen. Des weiteren trat der Gau Mittelrhein unter der Führung von Udo Wrede geschlossen mit allen 600 Mitgliedern aus dem BDP aus. Da man es sich nicht zutraute einen eigenen Bund zu gründen, schloss man sich zunächst dem zwar anerkannten, aber vom Formalismus und Äußerlichkeiten bestimmten und von Alt-Semestlern geführten DPB-W an. Damit begann eine kontinuierliche Veränderung durch frische Impulse der neu eingetretenen Pfadfinder ein.

 

Literatur

  • Hinkel, Paul-Thomas. Die Pfadfinderverbände in der Bundesrepublik Deutschland. Hg. Klaus Hinkel. Baunach: Deutscher Spurbuchverlag, 1990
  • DPB-Mosaik. Wege finden - Wege gehen. Führungshandbuch des DPB-M, Hg. Deutscher Pfadfinderbund Mosaik. Köln: 1989
  • Seidelmann, Karl. Pfadfinder in der deutschen Jugendgeschichte. Teil 1, Hannover: Hermann Schroedel Verlag KG, 1977
  • Seidelmann, Karl. Pfadfinder in der deutschen Jugendgeschichte. Teil 2.1, Hannover: Hermann Schroedel Verlag KG, 1980
  • Wittke, Hansdieter. Freiheit in Bindung. Hg. Klaus Hinkel. Baunach: Deutscher Spurbuchverlag, 1990
  • DPB-Mosaik. Wo kommen wir eigentlich her... Hg. Deutscher Pfadfinderbund Mosaik.Köln: 1996
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok