Weimarer Republik

Der verlorene Krieg führte zu Veränderungen in allen Jugendverbänden Deutschlands. Die staatlich getragenen Jugendverbände verschwanden nahezu in der Versenkung. Dies eröffnete neue Möglichkeiten für freie Jugendorganisationen. So wurden nun vielmehr Gruppen von jungen Gruppenführern anstatt von Personen des Militärs geführt, was den ursprünglichen Ideen des Pfadfindertums und auch der Jugendbewegung weitaus näher kam, als dies in den Vorjahren der Fall war. Allerdings kam es in dieser Zeit auch zu den vertrauten "Krankheitsbildern" dieser Zeit. Neugründungen, Zusammenschlüsse und Zersplitterungen waren an der Tagesordnung und so spiegelte diese Zeit in der deutschen Pfadfinderbewegung auch die gesellschaftliche Lage im Kaiserreich wieder. Die Bürger Deutschlands taten sich schlichtweg schwer, mit der neu gewonnen Unabhängigkeit und Freiheit von staatlicher Obrigkeit etwas anzufangen.

 

Die Zeit der Neugründungen (1918-1925)

Trotz alledem gründeten sich zahlreiche Bünde und Verbände in dieser Zeit neu oder nahmen Ihre Jugendarbeit nach dem Krieg selbständig wieder auf. Allerdings wurden nun militärische Hierarchien und Abzeichen abgelehnt.
Wie bei der Gründung erster Pfadfindergruppen in Deutschland waren auch hier bayerische Organisationen Vorreiter. So wurden hier schon kurz nach dem Krieg die "Neudeutschen Pfadfinder" gegründet, die eben diesen neuen Weg der Jugendbewegung gingen. Doch auch in anderen Teilen Deutschlands gründeten sich Verbände mit ähnlichen Tendenzen (Jungdeutsche Pfadfinderschaft, Ringpfadfinder). Weitaus schwieriger tat sich der DPB in dieser Zeit. Ständig verlor er Mitglieder und verlor ganze Gruppen durch Abspaltungen ehe auch er zu den bündischen Formen fand.
Insgesamt wurden in der Zeit von 1918 bis 1925 zahlreiche Bünde neugegründet, während die Zahl der aktiven Pfadfinder auf dem Niveau der Vorkriegsjahre blieb. Diese Zeit wird oft auch als Zeit der "Erneuerungsbewegung" bezeichnet.

 

Die Zeit der Zusammenschlüsse (1926-1933)

Nach anfänglichem Misstrauen 1926 schließen sich Pfadfindern und Wandervögeln zum Bund der Wandervögel und Pfadfinder zusammen (BDWuPf). Nach weiteren Beitritten nannte man sich später "Deutsche Freischar". Sie zählte um 1930 rund 12000 Mitglieder.
1929 gründete sich der "Deutsche Pfadfinderverband" aus zunächst 7 Bünden. Insgesamt waren in dieser Dachorganisation rund 20000 Pfadfinder vereinigt. Er bleib jedoch eine reine Zweckgemeinschaft.

 

Die Inhaltlichen Veränderungen

Neben der Verjüngung der Führer, den neuen Freiheiten und dem Abwenden vom Militär kam es in der Weimarer Republik zu vielen anderen inhaltlichen Veränderungen. Auch die Entstehung der Idee des bündischen Pfadfinders, d.h. der Schwerpunkt der Pfadfinderei liegt in der Verpflichtung des Bundes, während die scoutistische Form mehr äußere Tätigkeit war in diese Zeit. Durch die Zusammenschlüsse von verschiedenen Jugendorganisationenen entstand eine völlig neues Bild der Jugendbewegung. So vermischten sich viele Elemente, die noch heute eine wichtige Bedeutung im deutschen Pfadfindertum haben. So brachten die Wandervögel z.B. Großfahrten und Pfadfinder Geländespiele mit in die neuen Verbände. Außerdem wurde nun die Kohte als Pfadfinderzelt eingeführt. Auch die Entstehung des Tschais sowie das Singen ist in diese Zeit der Jugendbewegung zurückzuführen.
Die größten und bedeutendsten Veränderung war aber die Einführung des Stammessystem in Deutschland. Erstmals wurde Arbeit in Stufen in einem Stamm praktiziert, was von Baden Powell selbst gar nicht vorgesehen war (auch wenn er die Stufen einführte, dachte er nicht eine Art "Ortsgruppe", die alle Stufen miteinander verbindet) Eine weitere Neuerung war die Durchführung von Zeltlagern außerhalb des Militärs.

 

Christliche Pfadfinder

Es entstanden rein konfessionelle Gruppen und Verbände. So 1921 die christliche Pfadfinderschaft Deutschland (CPD) und 1929 die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Sie blieben jedoch von geringer Bedeutung.

 

Der Deutsche Pfadfinderbund Westmark (DPB-W)

Der Deutsche Pfadfdinderbund Westmark spaltete sich 1927 vom 1911 in Berlin gegründeten Deutschen Pfadfinderbund (DPB) ab. Er distanzierte sich damit von bündischen Entwicklungen. Es trat zunehmend ein nationaler Traditionalismus in den Vordergrund, was sich auch in der Verwendung des vom DPB zuvor abgelegtem Bundeszeichens, dem schwarz-weiß-rotem "Schachbrett"- Abzeichen zeigte. Auch wenn man sich weiterhin klar zu pfadfinderischen Grundhaltungen bekannte, näherte man sich dem Jung-Stahlhelmbund in Form einer Zusammenarbeit an und knüpfte so parteipolitische Kontakte. Dies wäre für andere pfadfinderische Gruppen absolut undenkbar gewesen. Doch auch im eigenen Bund traten 1932 wieder vermehrt bündische Tendenzen auf, die schließlich zu einem Übertritt größerer Teile in den Neudeutschen Pfadfinderbund führten.
Trotz dieser parteipolitischen Bindung mit dem Jung-Stahlhelmbund konnten sich die national-konservativen verbliebenen Gruppen der DPB-Westmark nicht vor der Zwangsauflösung 1933 retten.

 

Literatur

  • Hinkel, Paul-Thomas. Die Pfadfinderverbände in der Bundesrepublik Deutschland. Hg. Klaus Hinkel. Baunach: Deutscher Spurbuchverlag, 1990
  • DPB-Mosaik. Wege finden - Wege gehen. Führungshandbuch des DPB-M, Hg. Deutscher Pfadfinderbund Mosaik. Köln: 1989
  • Seidelmann, Karl. Pfadfinder in der deutschen Jugendgeschichte. Teil 1, Hannover: Hermann Schroedel Verlag KG, 1977
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